wenn es weh tut, ist es keine liebe

## Dieser Artikel wurde am 21. Februar 2006 auf meiner ersten Domain “alleinsein.de” veröffentlicht. Das Thema ist auch heute noch aktuell, daher habe ich ihn hierher verschoben. ##

das anhaften ist ein begriff, der mir im deutschen sprachgebrauch nicht geläufig ist. im buddhismus hat er eine bedeutung bei dem thema liebe. der buddhismus unterscheidet sehr schön die liebe und das anhaften.

liebe bedeutet im buddhismus, daß man ein offenes herz hat, sich berühren läßt und von liebe erfüllt ist.

in liebe sein bedeutet, daß man keinen mangel leidet. in liebe sein heißt vom glück erfüllt zu sein. es ist vielleicht wie mit einem wassereimer der überläuft. das überlaufen ist dann die liebe, die dem anderen bedingungslos gegeben wird.

als anhaften wird der zustand angesehen, wo der mensch einen inneren mangel hat und daran leidet. er braucht andere dinge, menschen und vor allem einen partner, der diesen mangel ausfüllen soll. der mangel wird oft als leere empfunden, ein einsam~sein.

die leere und den mangel kann man auf verschiedene wege überdecken, beispielsweise mit einem neuem technischen spielzeug, oder einem interessanten menschen, den man auf einer party kennenlernt, oder auch wenn man verliebt auf einer rosaroten wolke schwebt.

doch nach einer zeit ist das neue verbraucht und der mangel ist wieder zu spüren. dem kann man mit neuen errungenschaften begegnen, die aber wieder nur eine zeitlang die leere überdecken, und es entsteht ein komischer kreislauf. ~ das ist vermutlich eine ursache des konsum~wahns in unserer gesellschaft. ~

der mangel, das gefühl der leere, ist oft verbunden mit unbewußten vorderung an unsere partner im leben, diesen wieder auszugleichen, sei es in einer liebes~beziehung, im freundeskreis oder in der familie. “sie sind dafür zuständig”, wie wir uns fühlen. man braucht den anderen, um selbst glücklich zu sein und keine leere zu verspüren ist das anhaften. aus dem brauchen wird dabei ein ver~brauchen…

dem mangel kann man auch heilsam begegnen. es ist natürlich ganz einfach. :) man schaut sich die ganze sache einfach einmal an. sich der leere in sich selbst zu stellen und das anhaften zu verstehen, ist ein erster schritt, auf dem weg des lernens, wie wir “den wassereimer” durch unsere eigene kraft wieder auffüllen können.

manchmal ist das verstehen schwierig oder scheint gar nicht möglich. dann ist es zeit sich hilfe zu holen. eine hilfe kann zum beispiel das buch “hoch wie der himmel, tief wie die erde ~ meditationen zu liebe, beziehungen und arbeit” sein. in ihrem buch schreibt sylvia wetzel auch über die unterscheidung von liebe und anhaften:

  • liebe entspringt innerem reichtum, während anhaftung durch inneren mangel entsteht.
  • liebe sieht die geliebte person realistisch, sie erkennt und liebt auch ihre schwächen, während anhaftung durch eine rosarote brille schaut.
  • liebe nimmt stetig zu, während anhaftung heftig schwankt und in haß oder gleichgültigkeit umschlagen kann.
  • liebe tut gut und anhaftung tut weh.

quelle: Sylvia Wetzel ~ Hoch wie der Himmel, tief wie die Erde*

ein sehr schönes buch, daß ich gerne weiterempfehle.

sylvia wetzel beschreibt viele alltägliche dinge, die uns das leben an hand der buddhistischen sichtweise veranschaulichen. das buch ist angereichert mit zahlreichen übungen und überlegungen, die im täglichen leben hilfreich sind, das eigene leben lebenswerter zu gestalten und zu lernen, “den wassereimer selbst wieder aufzufüllen”. :)

ein schönes daran ist: es ist verständlich und hilfreich, auch ohne dem buddhistischen glauben anzugehören. :)

auf dem weg des lernens, uns von anhaftungen zu befreien, lernen wir auch, wie wir ein ganzes werden. dann entsteht in unseren beziehungen ein gesundes miteinander.

wenn wir verstehen, was liebe ist und uns ihr öffnen, befreien wir uns nicht nur von den anhaftungen, sondern können anderen auch von dieser kraft etwas abgeben.

jemanden aus tiefsten herzen zu lieben, bedeutet ihm eine hilfe zu sein, wenn er sie bedarf, um seinen eigenen weg zu gehen. in liebe sein heißt, seine schönheit wahrzunehmen und zu verstehen, warum er so ist, wie er ist. wenn wir in liebe sind, werden wir den anderen schmerzfrei seinen weg gehen lassen, auch wenn es heißt, daß sich die gemeinsamen wege nun trennen.

anmerkung: meine gedanken habe ich in den text knapp umrissen, doch momentan bin ich noch unzufrieden. mir fehlt das fließen und das runde an ihm. vielleicht hast du ein paar anregungen, wie er sich entwickeln könnte? :)

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read: 2460 | today: 8 Publiziert am von Rene Lecoutre
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